Die Arbeitskonzeption – integrierte Friedensförderung weist den Weg.

Stabilen Frieden erreicht man nicht, wenn Konflikte bloss bearbeitet werden. Vielmehr braucht es ein umfassendes Vorgehen, das Konflikten auch vorbeugt. Wie die integrierten Ansätze der Friedensförderung, die alle Konflikteinflüsse berücksichtigen. Unsere Arbeitskonzeption beruht auf Friedensbemühungen, wir nennen sie «Integrierte Friedensförderung».

Das Menschenbild: beziehungsvoll miteinander umgehen.

Das Leben stellt an jeden Menschen grosse Anforderungen. Sich in unserer sich wandelnden Welt sicher und geborgen zu fühlen, ist nicht einfach. Verluste und Nöte gehören genau so zu uns wie Erfolg und Freude. Dabei ist es für jeden Menschen lebensnotwendig, die Existenz und das Wohlergehen zu sichern.

Es reicht aber nicht aus, genügend Nahrung und ein Dach über dem Kopf zu haben. Vielmehr muss man seinen Platz in der Gesellschaft finden und dem eigenen Leben einen Sinn geben. Zufrieden sind wir erst dann, wenn unsere körperlichen, seelischen und geistigen Bedürfnisse gestillt sind. Konflikte und Gewalt entstehen immer da, wo sich Menschen in ihren existentiellen Bedürfnissen bedroht fühlen. Herrschen Angst vor Existenzverlust oder vermeintliche Ungerechtigkeiten, breitet sich rasch Unfrieden aus –persönlich, sozial und politisch. Dabei lehrt uns die Geschichte, dass Unfrieden in der Welt immer von Interessenkonflikte ausgelöst wird.

Frieden ist nur dann lebbar, wenn sich alle zugehörig fühlen. Nur wenn wir miteinander sprechen und gemeinsam Bedingungen schaffen, die Sicherheit für alle garantieren, rückt der Menschheitstraum vom Frieden in greifbare Nähe. Gemeinsam erreichen wir mehr Wohlfahrt und Reichtum, und Frieden ist nicht länger eine unrealistische Utopie.

Kurz: Frieden entsteht überall dort, wo Menschen beziehungsvoll miteinander umgehen und für das gemeinsame Wohl sorgen.

Der Arbeitsstil: allparteilich und kreativ bleiben.

Die Bereitschaft, ohne Vorurteile auf Menschen und Situationen zuzugehen, ist wichtig. Nur so bringt man Ereignissen jene Wertschätzung entgegen, die für eine nachhaltige Friedensförderung und Konflikttransformation nötig sind. Wenn man weiss, dass jedes Verhalten eine Äusserung von Anliegen und jede Situation eine Chance für den persönlichen und gesellschaftlichen Fortschritt ist, kann man Menschen und Umständen neutral begegnen. Dabei sollte man nicht für die eine oder andere Seite Partei ergreifen, sondern allparteilich für alle zu sorgen. Diese Denkhaltung wird auch der Komplexität von Friedensfragen gerechter, weil damit das Interesse am ganzen Geschehen wächst. Friedensförderung fragt stets nach allen Aspekten, die Frieden fördern oder verhindern. Einfache Erklärungen sind fehl am Platz.

Jede Situation muss in ihrer Gesamtheit erfasst werden – mit Kopf, Hand und Herz. Dabei helfen ein gesunder Forscherwille und unaufhörliches Fragen mit. Einbezogen werden dabei immer alle Menschen, die diese Fragestellungen betreffen. Niemand darf vergessen, kein Aspekt darf übersehen werden. Alle Anliegen gilt es als gleichwertig anzuerkennen.

Das Miteinander untersucht das Zusammenleben. Es wird erarbeitet, wo widerstreitende Bedürfnisse existieren oder entstehen könnten. Untersucht wird auch, wo die Existenz von einzelnen oder mehreren Menschen gefährdet ist, welche Bedürfnisse missachtet oder übergangen werden, und wie sich verschiedene Bedürfnisse berücksichtigen und abdecken lassen. So erarbeiten wir gemeinsam tragfähige Antworten.

 Komplexe Situationen sind schlecht steuerbar, auch weil sie sich schnell wandeln können. Ohne Kreativität führen Friedensprozesse kaum zum Erfolg. Man muss das Geschehen laufend im Auge behalten, sein Handeln stets an neue Um- stände anpassen und sehr flexibel bleiben.

 Neben Fürsorge für andere ist auch das persönliche Wohlbefinden wichtig. Erst Selbstempathie ermöglicht beziehungsvolles Umgehen mit anderen Menschen. Friedensschaffende achten gut auf ihre Gesundheit und reflektieren ihr Verhalten täglich.

Die Arbeitsmethode: auf Prävention und Dialog setzen.

Das Interventionsmodell der integrierten Friedensförderung geht von drei Arbeitsbereichen aus: Zum ersten gehört Konfliktbearbeitung im engeren Sinne, der zweite schafft friedensförderliche Strukturen und wertschätzende Kultur, der dritte fokussiert auf die persönlichen Fähigkeiten des einzelnen Menschen.

Konflikte lassen sich auf verschiedene Weise entschärfen. Zerstrittene Parteien müssen bereit sein, miteinander zu sprechen, unterschiedliche Themen als Gesprächsinhalte anzuerkennen, auf die Bedürfnisse hinter den Positionen zu hören, in Optionen zu denken und zu kommunizieren, auf Angebote zur Lösungsfindung einzugehen und gemeinsam eine verbindliche und einvernehmliche Abmachung zu treffen.

So entsteht Frieden. Fehlt eines der Elemente, steht die Streitschlichtung auf unsicherem Boden, denn alle Elemente müssen beachtet werden. Gegenseitiges Verständnis ist zudem notwendig, um strukturelle und kulturelle Voraussetzungen zu schaffen. Wir wissen, was Kommunikation ersticken kann: Es sind unvollständiges Wissen, starre und verzerrte Menschenbilder, das Verunmöglichen von Gesprächsräumen oder das respektlose Reden. Deshalb legt die integrierte Friedensförderung den Fokus auf der kurativen Ebene darauf, Strukturen und Prozesse zu entschlacken und Menschenbilder zu enthärten.

Wer stabilen Frieden sucht, muss zwingend beziehungsvoll mit anderen Menschen umgehen können. Aber das persönliche Verhalten hängt stark vom Umfeld ab, in dem wir aufgewachsen sind. Unsere Eltern und andere Erziehungsautoritäten wie Lehrer haben uns – bewusst und unbewusst – mitgegeben, wie wir miteinander umgegangen sollen. Vergangene Beziehungsstrukturen und Umgangsformen hinterlassen Spuren und prägen uns weiter. Friedensarbeit verdeutlicht immer wieder, worauf Unzulänglichkeiten basieren: auf den misslungenen Dialog in Kindertagen. Darum legt die präventive Konfliktebene grossen Wert auf die Grundwerkzeuge für einen friedlichen Umgang miteinander.

Alle drei Arbeitsbereiche werden schrittweise durchgearbeitet – von der akuten über die kurative bis hin zur präventiven Ebene. Dabei schaffen zahlreiche Methoden aus unterschiedlichsten Fachgebieten die strukturellen und kulturellen Voraussetzungen für Frieden.